Stadtchronik

Wesels Anfänge

Der Name Wesel taucht in einer Urkunde vom 1. Mai 1065 erstmalig als „wesele“ auf. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte Wesels fand dann jedoch zu Beginn des 12. Jahrhunderts statt, als Wesel als Mitgift an die Grafen von Kleve fiel. Mit der Stadterhebung im September 1241 durch den Klever Junggrafen erhielten die Bürger eine Reihe von Privilegien, wie freie Erbschaft und Zollfreiheit.

Blütezeit Wesels

Ohne Frage war die reichhaltige Privilegierung Grund für die rasche Blüte der jungen Stadt. Während sich der Weseler Handel im 13. Jahrhundert auf den An- und Verkauf von Lebensmitteln und Handwerkserzeugnissen beschränkte, erfolgte im 14. Jahrhundert durch Weiterverarbeitung eingeführter Rohstoffe sowie den Export von Fertigwaren ein wirtschaftlicher Aufschwung. Insbesondere die Tuchherstellung wurde zu einer Haupteinnahmequelle des Wohlstands.

So trat Wesel 1407 der Hanse, dem damals sehr mächtigen Handelsbündnis, bei. Im Zuge dessen wurde Wesel für eingeführte Waren aus den Niederlanden und Westfalen zum wichtigsten Stapel- und Umschlagplatz nach Köln. Die Stadt erhielt eine derart einflussreiche Stellung, dass sie auf dem Lübecker Hansetag 1447 als eine der fünf Vororte des Kölnischen Hanseviertels anerkannt wurde. Handelsbeziehungen lassen sich zu den großen niederländischen Hansestädten, zum Londoner Stahlhof, aber auch zu Stralsund, Danzig, Reval, Riga und Bergen nachweisen.

Durch den enormen wirtschaftlichen Aufschwung setzte eine große Bautätigkeit ein, die sich insbesondere im Historischen Rathaus sowie dem Willibrordi-Dom widerspiegelt. Weitere große Bauvorhaben des 15. Jahrhunderts machten Wesel zu einem Mittelpunkt des künstlerischen Lebens am Niederrhein. Hier schufen die bedeutendsten Baumeister, Bildhauer, Bildschnitzer, Maler und Goldschmiede der Zeit.

Wesel wird zu „Vesalia hospitalis“

Die offenherzige, gastfreundliche und zukunftsorientierte Art, die in Wesel bis heute besteht, wird im 16. Jahrhundert manifestiert. Denn anders als in vielen Städten der Umgebung nahm die Reformation schon früh Einfluss auf Wesel. Ostern 1540 wurde sie durch den Rat der Stadt eingeführt. Von diesem Tag an galt Wesel als Stadt des Protestantismus, die viele Glaubensflüchtlinge aus den spanischen Niederlanden anzog. Die Bereitschaft der Stadt, den Verfolgten Schutz zu geben, brachte Wesel den Beinamen "Vesalia hospitalis" ein.

Die günstige Lage der Stadt und ihre wirtschaftliche Bedeutung weckten allerdings auch Begehrlichkeiten. Sie mündeten in kriegerischen Auseinandersetzungen und wurden in den folgenden Jahrhunderten zum Verhängnis.

Festung Wesel

So begann im Jahr 1681 unter Kurfürst Friedrich Wilhelm die fast 300-jährige Festungszeit. Die Stadt wurde nach modernsten Erkenntnissen der damaligen Zeit zu einer Festung umgebaut. Neben einem Teil der Zitadellenanlage ist heute davon noch das Berliner Tor im Herzen der Stadt erhalten.

Ab diesem Zeitpunkt waren nahezu durchgehend 4.000 bis 5.000 Soldaten in der Festung Wesel stationiert. Dies bedeutete für Wesel, dass trotz der verkehrsgünstigen Lage, die wirtschaftliche Entwicklung stagnierte. Vor allem die industrielle Entwicklung in Deutschland ging völlig an Wesel vorbei.

Napoleon in Wesel

Im Dezember 1805 trat Preußen gemeinsam mit der Stadt Kleve die Festung Wesel an Napoleon ab. Ein düsteres Kapitel ereignet sich im Jahr 1809 als es zur Erschießung von elf Offizieren kommt, die sich unter dem Kommando des preußischen Majors Ferdinand von Schill gegen die Herrschaft Napoleons auflehnten.

Vier Jahre später, im Dezember 1813, als die Macht Napoleons langsam zu bröckeln beginnt, erteilt er einen für Wesel und insbesondere Büderich folgenschweren Befehl – die Zerstörung der im Schussfeld des Forts Napoleon liegende Stadt Büderich.

Der Zweite Weltkrieg

Was einst Wesel zu seiner Blüte verhalf, nämlich die strategisch günstige Lage an Rhein und Lippe, wurde Wesel in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs wieder zum Verhängnis. Im Bombenhagel alliierter Angriffe wurde die Stadt nahezu vollständig zerstört. 97 Prozent der Innenstadt lagen in Trümmern. Doch die Weseler gaben nicht auf und begannen 1949 mit dem emsigen Wiederaufbau ihrer Stadt an alter Stelle. So erhielt Wesel ein völlig neues Gesicht.

Gebietsreform

Das nächste wichtige Kapitel in Wesels jüngster Vergangenheit ist die Gebietsreform des Landes Nordrhein-Westfalen von 1969 bis 1975. Damit wuchs Wesel um die Stadtteile Obrighoven-Lackhausen, Flüren, Büderich, Ginderich, Diersfordt und Bislich zur Kreisstadt des gleichnamigen Kreises heran. Heute beheimatet Wesel rund 62.000 Einwohner.

Projekte der letzten Jahre

Im Jahr 1991 feierte die Stadt ihr 750-jähriges Bestehen. Dies war zugleich die Geburtsstunde des Historischen Hansefestes. Es zählt mittlerweile zu einem der bekanntesten historischen Hansefeste in Deutschland und zieht jährlich tausende Gäste aus nah und fern an.

In den letzten 16 Jahren standen mit der Eröffnung des Preußen-Museums, dem Bau der hochmodernen Niederrheinbrücke, der prestigeträchtigen Rekonstruktion der Historischen Rathausfassade sowie der Neugestaltung der Fußgängerzone viele bedeutungsvolle Projekte mit überregionaler Strahlkraft auf der Agenda. Sie machen Wesel zukunfts- und wettbewerbsfähig in der Region.

Eventkalender für Wesel Projektbüro: 0281 / 203 2775 Facebook Google + Kontakt